Manchmal werde ich das Gefühl nicht
los, irgendwann den Verstand zu verlieren.
Ich kann schon vor meinem inneren Auge
sehen, wie ich hemmungslos durchdrehe, weil ich das alles hier nicht
mehr ertrage. Meinen eigenen Kopf, die Köpfe der anderen.
Ich weiß nicht, wie ich entscheiden
soll, was richtig oder falsch ist. Mir wird Moral gepredigt, von
Menschen, die nur noch aus einer Meinung und nicht mehr aus einer
Seele bestehen. Ich soll nett und höflich anderen gegenüber sein,
gleichzeitig aber ehrlich. Bei einigen Menschen klappt das ganz gut,
wenn die Chemie stimmt und so weiter. Aber ich habe keine Lust
darauf, nett zu jemanden zu sein, der mich belächelt oder für
minderwertig hält. Und wenn ich jemanden nicht kenne, tu ich auch
nicht so, als sei ich ein unglaublich liebevoller Mensch, dem bin ich
neutral gegenüber.
Ich will auch nicht, dass man mit mir
so nett und höflich umgeht, weil man es muss. Entweder ist man nett
zu mir, weil man mich sympathisch findet oder eben mehr mit mir zu
tun hat und eine Beziehung zu mir aufgebaut hat. Und ich hab es
lieber, wenn man mir ehrlich sagt, dass man mich nicht ausstehen
kann, oder mir aus dem Weg geht, wenn eine gewisse Antipathie
besteht.
Was mich aber am meisten bei
zwischenmenschlichen Beziehungen stört sind „Nutzfreundschaften“.
Ich denke bei diesem Begriff an eine
Bindung zwischen zwei Menschen, wobei einer der beiden nur am Hab und
Gut, sei es nun materiell, emotional oder geistig, interessiert ist.
Das ist einfach verlogen, heuchlerisch
und falsch.
In manchen Fällen kann man dies auch
als „Papiertaschentuchfreundschaft“ bezeichnen.
Man nimmt sich die Leute die man gerade
braucht, man lässt sie fallen wenn man sie nicht mehr braucht.
Das wird durch Facebook nicht gerade
gemindert.
Diese ganzen falschen
Facebookfreundschaften gehen mir so auf den Keks, wenn ich schon
sehe, dass ein Mensch mehr als 150 „Freunde“ hat denke ich mir:
„Wie naiv muss man sein?“
Jeder nimmt jeden Hans und Franz in
seine Freundesliste auf, auch wenn er nur eine Stunde an einem Abend
mit dieser Person verbracht hat.
Das ist natürlich Situationsbedingt,
aber meistens sind das nun mal irgendwelche Partybekanntschaften, mit
denen man nie wieder viel mehr zu tun hat. Und wenn man sich mal
wiedersieht ist man betrunken, wie beim Kennenlernen.
Mein Kopf will einfach Platzen. Der
verträgt so viel Mist nur schwer.
Ich stelle mir gerne vor, wie in Köpfen
anderer einfach nur Störgeräusche zu hören sind, eventuell auch
leichtes Rauschen.
Ich wünsche mir auch manchmal, in der
Bahn oder unterwegs, wenn ich Leute sehe oder deren Gespräche gegen
meinen Willen mithören kann, dass ich, wenn ich mich ganz stark
darauf konzentriere, deren Leben mit nur einem Blinzeln auslöschen
kann. Dazu muss man denen in die Augen schauen, bis sie den Blick
erwidern, und dann: ZACK.
Aber so was wird wahrscheinlich nie
möglich sein, wäre ja auch nicht moralisch vertretbar. Nehme ich
an.